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3 Schritte vor dem Winter: So überwinterst du deine Olivenbäume richtig

By tobias
Illustration: OlivenLab

Olivenbäume sind kalte deutsche Winter nicht gewohnt. Deswegen müssen wir ein paar Dinge beachten, um sie gut und sicher durch den Winter zu bringen. Hier findest du unseren ultimativen Guide zum Überwintern von Olivenbäumen.

Warum das Überwintern von Olivenbäumen unnötig schwer ist

Die meisten Menschen kaufen ihre Olivenbäume in Gartencentern, Bau- und Supermärkten oder privat über Plattformen wie Kleinanzeigen. Das Problem bei den allermeisten dieser Angeboten: Es fehlt eine konkrete Angabe zur genauen Sorte deines Olivenbaums.

Meistens findest du nur die Angabe „Olivenbaum – Olea Europaea“. Das ist aber nur die wissenschaftliche Bezeichnung für „Olivenbaum“. Übersetzt steht auf den Schildern also nichts anderes als „Olivenbaum – Olivenbaum“. Wirklich hilfreich ist das nicht und kann beim Thema Überwinterung zu Problemen führen.

Denn: Nicht jede Sorte von Olivenbäumen ist gleich winterhart. Manche vertragen Temperaturen von bis zu -15 Grad Celsius (je nach genauem Wohnort in Deutschland schon selten). Andere werden schon bei -5 Grad Celsius schwach (recht häufig in einem typischen Winter in Deutschland).

Solltest du also einen Olivenbaum kaufen wollen, achte am besten darauf, dass du die Sorte erfährst und notiere dir diese irgendwo, um im nächsten Winter mit dieser – leider seltenen – Info gewappnet zu sein.

Wie frosthart ist deine Olivenbaum-Sorte?

Wenn dir deine Sorte bekannt ist, dann findest du hier ein paar Richtwerte, an denen du dich für die Frosthärte deines Olivenbaums orientieren kannst. Bitte beachte dabei aber: Selbst innerhalb einer Sorte gibt es Unterschiede. Alter des Baums, Holzreife, Wassergehalt und Standortbedingungen beeinflussen die Frosttoleranz deutlich. Daher sind das hier wirklich nur Richtwerte, keine Garantie.

Sorte Frosthärte
Arbequina -10 °C
Arbosana -15 °C
Bouteillan -20 °C
Cipressino -15 °C
Hojiblanca -10 °C
Pendolino -20 °C
Picual -15 °C
Picholine -15 °C
Picudo -10 °C
Tanche -10 °C
Zard -10 °C

Die angegebenen Temperaturen beziehen sich auf kurzfristige Frostereignisse (wenige Stunden bis einige Nächte). Bei längeren Frostperioden oder gefrorenem, wassergesättigtem Boden steigt die tatsächliche Schadensschwelle oft um mehrere Grad, da anhaltendes Durchfrieren von Feinwurzeln und Leitgewebe zusätzliche Schäden verursacht.

Wenn die Wurzeln gefrieren, kann der Baum kein Wasser mehr aufnehmen. Die Folge (was viele nicht wissen): Er verdurstet trotz nassem Boden.

Nachdem wir das geklärt haben, schauen wir uns jetzt an, wie du deine Olivenbäume richtig überwinterst.

Schritt 1: Der richtige Standort für die Überwinterung deines Olivenbaums

Beim richtigen Standort gibt es ein paar Punkte zu beachten, die entscheidend sind, um deinen Olivenbaum im Topf möglichst sicher durch den Winter zu bringen. Hier im Überblick, das sollte dein Winterquartier mitbringen:

  • Viel Licht, bestenfalls Sonne
  • Wind/Regen bestmöglich abschwächen
  • Kalt, aber frostfrei

Wenn dein Olivenbaum ausgepflanzt ist, hast du dir um diese Punkte bestenfalls schon bei der Pflanzung Gedanken gemacht, dann entfällt dieser Schritt für dich natürlich.

1. Lichtbedarf deines Olivenbaums

Olivenbäume sind immergrüne Pflanzen, sie behalten also den Großteil ihrer Blätter über den Winter. Dementsprechend brauchen sie viel Licht, um weiterhin – wenn auch in stark reduziertem Umfang – Photosynthese betreiben und Energie gewinnen zu können. Achte also beim Winterquartier deines Olivenbaums auf einen Platz mit viel Sonne.

2. Schutz vor starker Witterung

Idealerweise schützt du deinen Olivenbaum in seinem Winterquartier bestmöglich vor Wind und zu viel Regen. Denn: Mit Kälte alleine kommen Olivenbäume (siehe oben) eigentlich recht gut zurecht. Kälte in Kombination mit Wind und/oder Nässe ist aber ungleich schlimmer für die Pflanzen, da Wind die Kältewirkung verstärkt und dauerhafte Nässe zu Wurzelfäule oder Pilzkrankheiten führen kann.

3. Die richtige Temperatur

Achte darauf, dass dein Olivenbaum im Winter nicht zu warm steht. Ideal sind Temperaturen im Bereich von 5 bis 10 Grad Celsius. Auch wenn du es mit einem warmen Platz im Haus gut meinst: Du schadest deinem Baum damit eher, weil er aus seinem natürlichen Rhythmus gerissen wird (Wechsel zwischen Wachstums- und Ruhephasen). Zudem ist der Kältereiz auch wichtig, um im Frühjahr wieder die Blüte anzuregen.

Ideen für den perfekten Standort deines Olivenbaums im Winter

Wo packst du deinen Olivenbaum im Winter nun aber hin, um möglichst viele dieser Kriterien zu erfüllen? Ein paar Ideen:

  • Heller Kellerraum: Mit Fenster, Temperaturen zwischen 5-10 °C, regelmäßig lüften, um Schimmel vorzubeugen
  • Wintergarten: Viel Licht, meist frostfrei, optimal für größere Kübelpflanzen
  • Garage mit Fenster: Kühl, hell, geschützt vor Frost, nur geeignet, wenn Temperaturen nicht unter Null fallen
  • Treppenhaus oder Hausflur: Helle Ecke mit Tageslicht, Temperatur meist ausreichend niedrig
  • Gewächshaus: Kalt, aber frostfrei, lüften nicht vergessen, um Feuchtigkeit zu regulieren
  • Schuppen oder Gartenhaus mit Fenster: Licht und Schutz vor Wind/Nässe, gegebenenfalls mit Frostwächter* ausstatten
  • Überdachte Terrasse oder Balkon: Wind- und regengeschützt, ggf. mit Vlies umwickeln, für milde Winterregionen geeignet
  • Unbeheiztes Gästezimmer: Helles Fenster, Temperatur nicht über 10 °C, nur bei ausreichend Licht empfehlenswert

Wenn keine dieser Optionen für dich in Frage kommt, lasse deinen Olivenbaum möglichst nah an einer Hauswand stehen, am besten Süd- oder Westseite und achte auf die Temperaturen, um ihn rechtzeitig einpacken zu können mit einem Vlies und anderen Dingen (dazu gleich mehr).

Schritt 2: Frostschutz-Maßnahmen für Olivenbäume

Im nächsten Schritt müssen wir uns darum kümmern, dass die Olivenbäume vor hartem Frost außerhalb ihrer Toleranz geschützt werden. Das ist natürlich nur dann notwendig, wenn dein Olivenbaum ausgepflanzt ist oder an einem Ort steht, an dem es frieren kann. Entscheidest du dich zum Beispiel für ein kühles Treppenhaus, kannst du diese Punkte überspringen.

Grundsätzlich müssen wir uns beim Frostschutz unserer Olivenbäume um drei Hauptbereiche kümmern: Wurzeln, Stamm und Krone. Die gehen wir nun für beide Varianten (ausgepflanzt und Topf) einmal durch.

Variante 1: Ausgepflanzter Olivenbaum

Hast du deinen Olivenbaum ausgepflanzt (bestenfalls im Frühjahr, damit er im Winter schon ein stabiles Wurzelsystem gebildet hat), ist der Frostschutz etwas einfacher, da die Wurzelzone besser geschützt ist. Folgende Maßnahmen kannst du trotzdem einleiten, um deinen Olivenbaum bestmöglich zu schützen:

  • Wurzeln: Bedecke den Wurzelbereich großzügig mit Mulch, Stroh, Laub oder Rindenstücken. Dadurch bleibt der Boden wärmer und die Wurzeln werden vor Frost geschützt.
  • Stamm: Bei jungen Pflanzen mit einem noch dünneren Stamm kannst du den Stamm und größere Äste mit atmungsaktivem Vlies, Jute oder speziellen Winterschutzmatten umwickeln.
  • Krone: Bei starkem Frost kannst du die Krone oder den ganzen Olivenbaum in ein passendes Vlies* einpacken. Zudem kannst du bei starkem Schneefall die Krone leicht zusammenbinden (zum Beispiel mit einer Juteschnur*), damit die Äste nicht so schnell abbrechen, wenn zu viel Schnee aufliegt.

Achte zudem darauf, dass keine Staunässe entsteht. Bestenfalls hast du dabei beim Einpflanzen schon geachtet und eine gute Drainageschicht ins Pflanzloch eingearbeitet.

Variante 2: Olivenbaum im Topf

Steht dein Olivenbaum im Topf, wird es etwas schwerer. Kübelpflanzen sind generell frostempfindlicher als ausgepflanzte Bäume, da die Wurzelzone weniger geschützt und damit anfälliger ist. Aber auch hier können und sollten wir etwas unternehmen:

  • Wurzeln: Zunächst einmal solltest du den Untersetzer unter deinem Topf entfernen, falls du einen nutzt. Das Wasser verdunstet im Winter nicht und bleibt in diesen Untersetzern stehen oder friert darin. Alternativ kannst du den Topf auch auf Holzblöcken oder Styropor platzieren, um ihn etwas vor Kälte von unten zu schützen. Um ihn seitlich zu schützen, eignet sich Kokosmatten* sehr gut. Die kannst du in der passenden Größe bestellen oder zuschneiden und ein oder zwei Mal um deinen Topf binden. Von oben kannst du Kokosscheiben* verwenden.
  • Stamm: Bei jungen Pflanzen mit einem noch dünneren Stamm kannst du den Stamm und größere Äste mit atmungsaktivem Vlies, Jute oder speziellen Winterschutzmatten umwickeln.
  • Krone: Bei starkem Frost kannst du die Krone oder den ganzen Olivenbaum in ein passendes Vlies* einpacken. Zudem kannst du bei starkem Schneefall die Krone leicht zusammenbinden (zum Beispiel mit einer Juteschnur*), damit die Äste nicht so schnell abbrechen, wenn zu viel Schnee aufliegt.

Achte zudem darauf, dass keine Staunässe entsteht, indem du deinen Olivenbaum möglichst vor Regen geschützt aufstellst.

Schritt 3: Die richtige Olivenbaum-Pflege im Winter

Jetzt steht unser Olivenbaum also bestens eingepackt an seinem idealen Standort. Was jetzt noch fehlt, ist die richtige Pflege im Winter.

Das solltest du auf jeden Fall tun

  • Regelmäßig gießen: Wenn dein Olivenbaum komplett vor Regen geschützt ist, sollte er regelmäßig, wenn auch weniger als im Sommer, gegossen werden. Auch hier gilt (wie immer bei Olivenbäumen): Lieber zu wenig als zu viel. Olivenbäume kommen gut mit wenig Wasser klar, aber ganz schlecht mit zu viel Wasser an den Wurzeln.
  • Regelmäßig auf Schädlinge und Krankheiten kontrollieren: Es gibt allerlei Schädlinge, die in der verwundbarsten Zeit unserer Pflanzen ihre Chance wittern. Kontrolliere Blätter (auch die Unterseiten), Äste, den Stamm und die Erde regelmäßig auf Schädlinge, Krankheiten oder Schimmel, um zeitnah eingreifen zu können.

Das solltest du auf gar keinen Fall tun

  • Überwässern: Dein Olivenbaum hat im Winter einen (noch) niedrigeren Wasserbedarf. Vergiss das Wässern nicht, aber lass die Erde immer gut antrocknen, bevor du wieder Wasser gibst.
  • Düngen: Im Winter ist dein Olivenbaum in der Ruhephase. Er braucht jetzt keinen Dünger mehr. Daher solltest du schon im Spätsommer die Düngergaben runterfahren und deinen Olivenbaum zur Ruhe kommen lassen.
  • Starker Rückschnitt: Du kannst Olivenbäume eigentlich fast immer etwas in Form bringen. Im Winter solltest du damit aber warten. Spare dir zudem starke Rückschnitte kurz vor dem Einräumen ins Winterquartier und hebe dir das für den Frühling auf, wo du auch stärker rückschneiden kannst.
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